5

UNSERE MENSCHLICHEN BESCHRÄNKUNGEN. GUT, GIBT ES SIE. 11. Mar. 2016, Maison 44, Basel im Rahmen einer Ausstellung von Heinz Schäublin
18./19. Mar. 2016, GALARIA FRAVI, Domat/Ems
/ (1 / 2)

19.30 h Konzert



Werke von

F. DONATONI

I. MITSIALIS

I. XENAKIS



In den meist schwarz-weiss gehaltenen, zum Teil begehbaren Zeichnungen von Heinz Schäublin ist die Beschränkung ein ständiges Grundthema. Linien begrenzen immer wieder einen Raum, öffnen sich kurz zu einem neuen, der aber wieder nur sehr beschränkt ist etc. Dies mag als Sinnbild dafür stehen, dass der Mensch in seinem eigenen Erkunden des Lebens ständig an Grenzen stösst, die er wieder mit neuen Lösungen zu sprengen versuchen muss, ohne dabei je zur endgültigen Lösung vorzudringen.

Im dazu gestalteten Konzertprogramm verschafft ö! diesem Phänomen einen positiven Aspekt, wie im Titel formuliert. Mit drei monumentalen Werken wird die Thematik von drei Blickwinkeln aus beleuchtet und vertieft.


Iannis Xenakis Frühwerk „Zyia“, das dieser als sein erstes offizielles Werk bezeichnete und hier ohne den Männerchor ad libitum zur Aufführung gelangt, hat eine Ausstrahlung von beinahe übermenschlicher Dimension. Langgezogene „Schreie“ der Sopranistin werden immer wieder von harten Klavierakkorden unterbrochen, es mutet beinahe nach einem Kampf von Vertikale gegen Horizontale an. Erst viel später setzt die Flöte als Begleiterin und Unterstützung des Soprans ein. Ein mächtiges Werk mit deutlicher Anlehnung an die griechische Tragödie.

Die räumliche Begrenzung ist Thema im Werk „Knast“ des jungen, in Deutschland lebenden griechischen Komponisten Ioannis Mitsialis. Ganz bildlich ist der Titel in dieser Musik erfahrbar: ein enger, äusserst begrenzter Raum, indem sich die drei Streicher bewegen. Das beinahe 30-minütige Werk geht äusserst sparsam mit dem kompositorischen Material um, wobei sich die drei Instrumente immer in der gleichen Farbe und im selben Puls bewegen. Diese Ballung verschafft dem Werk einen sehr hohen Grad an Energie. Gerade durch die intensive Auseinandersetzung mit der Begrenzung und Einschränkung gewinnt diese Musik immer mehr an Freiheit: Einschränkung als Gewinn.

Einen anderen Umgang mit der Begrenzung schafft Franco Donatoni mit seinem Werkzyklus „Ciglio“: eine ständige, äusserst lebhaft-virtuose Suche. Diese spielerische und freudige, aber intensive Suche wird hier zum Inhalt, so dass sich die Frage nach der Lösung oder dem Ausweg erübrigt. Die Intensität der Suche wird in diesem Programm dadurch noch hervorgehoben, dass zunächst „Ciglio“ für Violine solo erklingt und gleich im Anschluss „Giglio“ für Violine und Flöte, das aus dem genau gleichen Material besteht, nun aber von zwei Instrumenten gespielt wird – beinahe immer unisono.



Programm

IANNIS XENAKIS (1922–2001): „Zyia“ (1952)

für Sopran, Flöte und Klavier



IOANNIS MITSIALIS (*1978): „Knast“ (2010)

für Violine, Viola und Violoncello



FRANCO DONATONI (1927–2000): „Ciglio“ (1989)

für Violine solo



FRANCO DONATONI: „Ciglio II“ (1993)

für Flöte und Violine



mit

IRINA UNGUREANU Sopran

RICCARDA CAFLISCH Flöte

GENEVIEVE CAMENISCH Viola

ASIA AHMETJANOVA Klavier

DAVID SONTÒN CAFLISCH Violine

CHRISTIAN HIERONYMI Violoncello



Reservation empfohlen an

maison44@maison44.ch, Tel. 061 302 23 63 oder

info@galariafravi.ch, Tel. 079 913 12 35