Unschärfe

Saison 2017/18

Unschärfe



Die Saison 2017/18 von Ensemble ö! besteht wie die vergangenen Saisons aus einer Konzertreihe mit sechs bereits festgelegten Programmen, die jeweils im Theater Chur und in der Maison 44 in Basel aufgeführt werden.

Ein zentrales Anliegen von Ensemble ö! ist eine Programmgestaltung, die es den Hörenden ermöglicht, Werke der neuen Musik ganzheitlich erleben zu können. Die Besonderheit dieser Programmgestaltung besteht dabei darin, ein aussermusikalisches Thema aus sechs verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und zu vertiefen. Jedes Programm nähert sich also als ein für sich stehendes Kapitel dem Saisonthema an. Ergänzt wird dabei jedes Konzert mit einer ausführlichen Werkeinführung durch den künstlerischen Leiter sowie Beiträgen von Fachpersonen, die zum Saisonthema referieren.


Die Saison 2017/18 trägt den Titel Unschärfe. Ö! wagt dabei zum Einen den Verweis in die Malerei und thematisiert die Sfumato-Technik, die in der Renaissance entwickelt wurde.

Dabei werden auf bereits aufgetragene Farbschichten allerfeinste durchsichtige, mit wenigen Weisspigmenten versehene Lasuren aufgezogen. Zahlreiche dieser Lasurschichten geben dem Bild den Eindruck einer leicht verschwommenen und von Licht bestimmten Atmosphäre. Die entstandene Unschärfe verleiht dem Bild eine beinahe surreal anmutende Atmosphäre; vergleichbar mit Werken der neuen Musik, in denen mehrere melodische, harmonische oder rhythmische Ebenen gleichzeitig vorhanden sind, die zu einem neuen Höreindruck führen. Alle Komponisten dieser Saison setzen sich mit solcherlei Techniken auseinander.


Der zweite Bezugspunkt zum Saisonthema kommt aus der Quantenmechanik. Diese wur-de in exakt jener Zeit formuliert, in der auch die atonale Musik sich entwickelte, nämlich um 1905. Der Quantenphysiker Werner Heisenberg hat als erster die Theorie der Unschärferelation formuliert: Auf subatomerer Ebene können Ort und Impuls eines Teilchens nicht mehr mit Sicherheit bestimmt werden. Darüber hinaus konnte er nachweisen, dass die Beobachtung eines Experiments durch den Menschen das Resultat beeinflusst. Auch diese revolutionäre Sicht lässt sich gut auf die neue und zeitgenössische Musik übertragen.


In der zeitgenössischen Musik lassen sich die klassischen Strukturen nicht mehr einfach in Melodieführung und Begleitung ein­­teilen, vielmehr bewegen sich mehrere Schichten gleichzeitig, die erst durch das Hören der Musik, also durch die Beteiligung eines hörenden Beobachters, Form erhalten.


In diesem Sinne sieht Ensemble ö! seine Aufgabe darin, die Programme seinem Publikum so nahe wie möglich zu bringen und dieses Publikum zu einem Teil der Aufführung werden zu lassen.